Die Pilgerreise aus Rom Bartholomew F. Brewer

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Millionen von Katholiken sind nur dem Namen nach römisch-katho- lisch, sei es, weil in ihrem sozialen Umfeld alle Leute katholisch sind, oder weil sie zu träge sind, um offi- ziell auszutreten.

Unsere Familie aber war aus Überzeugung römisch-katholisch, und wir verstanden und praktizierten die Lehren unserer Religion. Wir glaubten, dass unsere Kirche die einzig wahre, von Jesus Christus gegründete Kirche sei. So hinterfragten wir nichts von dem, was unsere Priester lehrten. Damals – vor dem Zweiten Vatikanischen Konzil – glaubte jeder Katholik, dass es ausserhalb der römisch-katholischen Kirche kein Heil gebe. Das gab uns ein Gefühl der Sicherheit. Wir wussten uns auf dem rechten Weg, geborgen in den Armen der ‚Heiligen Mutter Kirche‘.

Als ich noch nicht ganz 10-jährig war, starb mein Vater. Von da an ging meine Mutter jeden Tag zur Messe; während über 24 Jahren fehl- te sie keinen Tag. Jeden Abend beteten wir in der Familie gewissen- haft den Rosenkranz. Wir wurden ermutigt, regelmässig die Heilige Messe zu besuchen. Neben der Belehrung zuhause war auch unsere gesamte Schulbildung römisch-katholisch geprägt. Monsignore Hu- bert Cartwright und die anderen Priester in unserer Pfarrei (der ‚Ka- thedrale der Heiligen Peter und Paul‘, in Philadelphia, Pennsylvania) sagten oft, unsere Familie sei katholischer als Rom.

So ist es nicht erstaunlich, dass ich, als ich vor der Berufswahl stand, den Ruf zum Priesteramt verspürte. Allerdings wollte ich nicht ein säkularer Priester werden, der in einer Pfarrei tätig ist, sondern beschloss, mich bei den ‚Barfüssigen Karmelitern‘ zu bewerben, ei- nem der strengsten und ältesten Mönchsorden.

Mein Motiv war Liebe

Vom ersten Tag an, den ich auf dem ‚Heiligen Hügel‘ in Wisconsin verbrachte, liebte ich das religiöse Leben dort, und dies gab mir die nötige Motivation, um all die Latein- und anderen Studien durchzu- halten, die für mich sehr schwierig waren. Die Hingabe und Aufopfe- rung der Priester, die uns unterrichteten, erinnerten mich ständig dar- an, dass es sich lohnte, jedes erforderliche Opfer zu bringen, um das Ziel der Priesterweihe zu erreichen.

Die Ausbildung, die ich erhielt, war gründlich: 4 Jahre Gymnasium, 2 Jahre als Novize, 3 Jahre Philosophie- und 4 Jahre Theologiestudium (das letzte Jahr davon erst nach der Priesterweihe). Ich nahm die Übun- gen zur Selbstkasteiung und die anderen Klosterregeln sehr ernst und zweifelte kein einziges Mal an meiner Berufung oder an irgend etwas von dem, was ich gelehrt wurde. Als ich das Gelübde der Armut, Keuschheit und des Gehorsams ablegte, bedeutete dies für mich le- benslängliche Hingabe an Gott. Die Stimme der Kirche war für mich die Stimme Gottes.

Ein weiterer Christus

Ich empfing meine Priesterweihe im ‚Dom der unbefleckten Emp- fängnis Mariens‘ in Washington, D.C., der siebtgrössten Kirche der Welt. Als Bischof John M. McNamara seine Hände auf meinen Kopf legte und dazu die Worte aus Psalm 110,4 zitierte: „Du bist Priester in Ewigkeit nach der Weise Melchisedeks!“, da überwältigte mich der Glaube, dass ich nun ein Mittler zwischen Gott und den Menschen war.

Meine Hände wurden gesalbt und mit speziellen Tüchern eingebun- den, was bedeutete, dass sie nun geweiht waren, um Brot und Wein in das wirkliche Fleisch und Blut Jesu Christi zu verwandeln; um das Opfer von Golgatha durch das Messopfer fortzuführen und um durch die Sakramente der Taufe, der Firmung, der Beichte, der Ehe und der Letzten Ölung rettende Gnade zu vermitteln.

Gemäss der Lehre der Kirche erhält der Priester bei der Weihe ein ‚unauslöschliches Prägemal’, ein nie endendes Auswechseln seiner Per- sönlichkeit mit derjenigen von Christus, so dass er seine priesterlichen Pflichten als ein ‚weiterer Christus‘ oder ‚anstelle des Christus‘ aus- üben könne. Diese Überzeugung ist so tief, dass die Leute tatsächlich niederknieten und unsere frisch geweihten Hände küssten.

Nun musste ich noch das letzte Jahr des Theologiestudiums absol- vieren, das im Grunde genommen als letzte Vorbereitung für den Predigtdienst, das Abnehmen der Beichte und das Erteilen der Abso- lution für die Vergebung der Sünden diente. Dann wurde mein seit langem geäusserter Wunsch erfüllt, in den Philippinen als Missions- priester zu wirken.

Neue Freiheit im Missionsleben

Der Wechsel vom geregelten Klosterleben zum einfachen und freien Missionarsleben war eine Herausforderung, auf die ich nicht vorbe- reitet worden war. Ich genoss die Reisen zu den über achtzig kleinen, primitiven Ortschaften, die unserer Pfarrei zugeordnet waren, und auch der Religionsunterricht, den ich in der Karmeliterschule unserer klei- nen Stadt erteilte, machte mir grosse Freude. Bis dahin hatte sich mein Leben fast ausschliesslich unter Männern abgespielt. Nun genoss ich es, den Mädchen zuzusehen, wenn sie kicherten und mit Knaben flir- teten. Nach einer gewissen Zeit wurde ich auf eine der fleissigeren Schülerinnen aufmerksam, die mein Interesse stark einnahm. Diese junge Dame war viel reifer, als es ihrem Alter entsprach, weil sie seit dem Tod ihrer Mutter eine grosse Verantwortung zu tragen hatte. Sie war lieblich und antwortete schüchtern, wenn wir nach dem Unterricht ein paar Momente stehlen konnten, um allein miteinander zu reden. Das war ein neuartiges Abenteuer, und bald interpretierte ich das, was wir füreinander empfanden, als Liebe.

Es überrascht nicht, dass der Bischof bald davon erfuhr, obwohl er viele Kilometer entfernt wohnte. Er schickte mich sofort zurück nach Amerika, bevor eine ernsthafte Beziehung entstehen konnte. Diese Strafmassnahme war für uns beide hart, aber das Leben ging trotzdem weiter.

Nach dem Abenteuer und der Freiheit auf den Philippinen fehlte mir die Motivation, ins Klosterleben zurückzukehren. Der Pater Provinzi- al erlaubte mir daher, als Karmelitermönch in einer Pfarrei in Arizona das Priesteramt zu übernehmen. Ich liebte meine Aufgaben in dieser Pfarrei, aber dort, wo ich als nächstes hingesandt wurde, fand ich kei- ne Erfüllung. Bald darauf erhielt ich eine Dispens von Rom, so dass ich den Karmeliterorden verlassen und als säkularer Priester in einer Pfarrei arbeiten durfte.

Während der Zeit, in der ich eine grosse Pfarrei in San Diego, California betreute, erbat und erhielt ich die Erlaubnis, als römisch- katholischer Kaplan in die Kriegsmarine der Vereinigten Staaten ein- zutreten. Die neuen Arbeitsziele, der neue Rang und die verschiede- nen Reisen halfen mir, aus dem auszubrechen, was ich im Pfarreidienst immer mehr als sterilen Ablauf von Ritualen, als Sakramentalismus empfunden hatte.

Mein religiöses Leben wurde sofort weiter, als ich mit nicht-katholi- schen Kaplanen zusammenkam. Zum ersten Mal lebte ich nicht in ei- nem römisch-katholischen Umfeld. Die ökumenische Atmosphäre weichte mich nach und nach auf. Als dann das Zweite Vatikanische Konzil die Fenster der strengen Tradition öffnete, um frischen Wind hereinzulassen, atmete ich tief und erfrischt ein. Veränderung war an- gesagt. Einige wollten, sie wäre radikal; anderen genügte ein bisschen Modernisierung.

Zweifel an der Autorität der römischen Kirche

Viele Menschen fanden im römisch-katholischen Glauben nicht mehr genügende Antworten auf die allgemeinen Probleme des modernen Lebens. Viele fühlten sich alleingelassen und missverstanden. Dies galt besonders für die Priester. Infolge all der Veränderungen verlor der Priesterstand seinen Glanz. Die Priesterausbildung wurde nicht mehr viel höher eingestuft als die Ausbildung eines Pastoralassistenten. Der Priester wurde nicht mehr als weit über den Gläubigen stehend geehrt. Viel mehr Priester, als es zugaben, durchlebten eine Identitätskrise, auch bei den Armeekaplanen.

Als ich merkte, dass einige der römisch-katholischen Kaplane sich mit Frauen verabredeten, war ich zunächst empört. Interessiert hörte ich denen zu, die öffentlich die Undurchführbarkeit der Zölibatspflicht diskutierten. Bald hatte auch ich den Mut, nach der Berechtigung zu fragen, aufgrund welcher unsere Kirche an solchen Traditionen fest- hielt, umso mehr als das Gesetz des Zölibats die Quelle so vieler mo- ralischer Probleme unter Priestern ist. Zum ersten Mal in meinem Le- ben zweifelte ich an der Autorität meiner Religion, nicht aus intellek- tuellem Stolz, sondern aus Gewissensgründen.

Als Studenten des Priesteramts wussten wir gut über die alte Tra- dition Bescheid, die den römisch-katholischen Priester zur Ehelosigkeit verpflichtet. Wir wussten sehr wohl, dass die wenigen, denen der Vatikan erlaubt hat zu heiraten, nie mehr als Priester tätig sein durften. Aber die Zeiten änderten sich. Am Zweiten Vatikanischen Konzil in Rom wurden Fragen aufgeworfen, die vorher niemand auszusprechen gewagt hätte. Viele waren der Ansicht, dass verhei- ratete Priester – wie bei den Protestanten – viel einfühlsamer und verständnisvoller auf eheliche oder familiäre Fragen eingehen könn- ten. Wo immer Priester sich trafen, wurde es normal, solche Dis- kussionen zu führen; so auch, wenn meine Mitpriester mich in der Wohnung besuchten, die ich ausserhalb der Militärbasis mit mei- ner Mutter teilte.

Meine Mutter war nicht schüchtern und nahm an den Diskussionen teil. Sie war eine gut informierte, intelligente Person, und ich gab viel auf ihre Meinung. Ich weiss noch, wie entsetzt sie war, als sie hörte, dass in römisch-katholischen Schulen die Evolutionslehre gelehrt wird und dass Rom mit den Kommunisten in Dialog getreten war. Seit lan- gem störte sie sich an einigen Widersprüchen, die sie zwischen den Prinzipien der Bibel und der Prinzipienlosigkeit vieler religiöser Lei- ter unserer eigenen Kirche entdeckt hatte. Viele Jahre zuvor hatte Mon- signore Cartwright sie damit getröstet, dass, obwohl es in unserer Kir- che viele Probleme gäbe, Jesus versprochen habe, dass die Pforten der Hölle sie nicht überwältigen könnten.

Meine Mutter hatte immer eine enorme Achtung vor der Bibel ge- habt. Seit Jahren hatte sie treu darin gelesen; doch nun begann sie, sie eifrig zu studieren. Während ich beobachtete, wie meine Kollegen im- mer liberaler wurden, bewegte sich meine Mutter in eine andere Rich- tung. Für mich war dies ein Geheimnis. Während andere darüber dis- kutierten, dass man die traditionellen Regeln und Rituale auflockern oder auflösen solle, drückte meine Mutter den Wunsch aus, dass die Kirche die Bibel mehr ins Zentrum rücken, den geistlichen Aspekten des Lebens mehr Beachtung schenken und mehr Gewicht auf eine per- sönliche Beziehung zu Jesus legen sollte.

Zweifel an den Glaubensinhalten der römischen Kirche

Zunächst verstand ich es nicht, aber nach und nach beobachtete ich eine wunderbare Veränderung in meiner Mutter. Ihr Einfluss half mir, die Wichtigkeit der Bibel zu erkennen, wenn es darum geht, festzulegen, was wir glauben. Wir diskutierten viel über Themen wie das Pri- mat des Petrus, die Unfehlbarkeit des Papstes, den Priesterstand, Säuglingstaufe, Beichte, Messopfer, Fegefeuer, die Unbefleckte Emp- fängnis und Himmelfahrt Marias. Mit der Zeit merkte ich nicht nur, dass all diese Lehren gar nicht in der Bibel zu finden sind, sondern dass sie den klaren Aussagen der Bibel sogar widersprechen. Endlich wagte ich es, persönliche Überzeugungen zu haben. Was die Bibel über diese Themen sagte, war mir nun völlig klar, aber welche Auswir- kungen würde all dies auf mein Leben als Priester haben?

Ich glaubte wirklich, dass Gott mich gerufen hatte, ihm zu dienen. Doch nun befand ich mich in einem ethischen Konflikt. Was sollte ich tun? Ja, es gab Priester, die nicht an alle Dogmen Roms glaubten. Ja, es gab Priester, die heimlich eine Frau und Kinder hatten. Ja, ich könnte römisch-katholischer Kaplan bleiben und meine Arbeit weiter ausüben ohne meine Einwände laut werden zu lassen. Ich könnte weiterhin mei- nen Lohn beziehen und die Privilegien meines militärischen Ranges geniessen. Ich würde auch die Unterstützungsbeiträge für meine Mut- ter weiterhin erhalten. Es gab viele Gründe, berufliche und finanziel- le, um zu bleiben, aber es wäre heuchlerisch und unethisch gewesen. Seit meiner Jugend hatte ich mich immer bemüht, aufrichtig zu han- deln, und dafür entschloss ich mich auch jetzt.

Mein Bruch mit der römischen Kirche

Obwohl mein Bischof mir erst kurz vorher die Bewilligung erteilt hatte, zwanzig Jahre beim Militär bleiben zu können, kündigte ich mei- nen Dienst nach nur vier Jahren. In aller Stille und Einfachheit zogen meine Mutter und ich in die Nähe meines Bruders Paul, der mit seiner Frau in der Region San Francisco Bay lebte. Kurz vor unserem Umzug durchschnitt meine Mutter ihre Verbindung zur römisch-katholischen Kirche, indem sie sich in einer Kirche der Siebenten-Tags-Adventisten taufen liess. Ich hatte gewusst, dass sie mit jemandem aus dieser Kir- che die Bibel studierte, aber von der Taufe erzählte sie mir erst, als mein Entschluss, den Priesterstand zu verlassen, feststand.

Die Entscheidung auszutreten war alles andere als einfach. Die Be- hauptung Roms, es gebe keinen objektiven Grund, ‚die eine wahre Kirche‘ zu verlassen, musste gut durchdacht werden. Traditionelle Katholiken hätten mich damals immer noch als ‚Judas-Priester‘ gebrandmarkt, der verdammt, exkommuniziert und gemieden werden muss. Ja, es waren viele Schwierigkeiten damit verbunden, die Sicher- heit der römisch-katholischen Herde zu verlassen, aber ich habe er- lebt, dass Jesus niemals im Stich lässt.

Die Autorität der Bibel

Nachdem ich den römisch-katholischen Staub von meinen Füssen geschüttelt hatte, stand ich vor einer sehr bedeutsamen Frage: Wo lässt sich endgültige Autorität finden? Indem ich nach und nach alle sich anbietenden Antworten ausschloss, blieb schliesslich die Bibel als ein- zige Autorität, die nicht umgeworfen werden kann. Erfolglos haben viele Systeme, auch das römisch-katholische, versucht zu widerlegen, dass die Bibel allgenügend, wirksam, vollkommen ist, von heiligen Männern – inspiriert vom Heiligen Geist – geschrieben. „Denn nie- mals wurde eine Weissagung durch menschlichen Willen hervorge- bracht, sondern vom Heiligen Geist getrieben haben die heiligen Men- schen Gottes geredet“ (2.Petrus 1,21).

Oh, welch glücklicher Tag, wenn jeder, der den Namen Jesu Christi nennt, versteht, dass die Bibel die einzige Autoritätsquelle ist, die sich nie ändert. Sie ist die höchste Autorität, weil sie völlig mit ihrem un- veränderlichen Autor, dem ewigen Gott, eins ist. Wie tragisch, dass sowohl die römische wie auch grosse Teile der protestantischen Kir- che wie auch viele Pfingstler und andere Gruppen leugnen, dass die Bibel allein genügt. Stattdessen setzen sie ihr Vertrauen in Traditio- nen, Visionen, Erscheinungen oder Prophetien, welche nicht nur in ihrem Anspruch, von Gott zu kommen, unzuverlässig sind, sondern oft im direkten Widerspruch zu klaren biblischen Aussagen stehen.

Viele mögen meinen, die Bibel sei nicht allgenügend, weil sie diese nicht gründlich studiert haben. Die Studienunterlagen meiner 13-jäh- rigen regulären Ausbildung im Karmeliterorden zeigen, dass ich nur 12 Stunden Bibelunterricht pro Semester hatte! Das allein ist schon ein Beweis, dass die Bibel nicht die Grundlage der römisch-katholi- schen Lehren bildet.

Voreilige Entscheidung zu einem Kirchenbeitritt

Nachdem ich die römisch-katholische Kirche verlassen hatte, wollte ich die Bibel studieren. Ich prüfte einige der protestantischen Kirchen, musste aber traurig feststellen, dass ihnen die biblische Wahrheit we- niger wichtig war als die ökumenische Annäherung an Rom. Für einen Ex-Katholiken, der nach der Wahrheit sucht, kann die Vielfalt von Kir- chen und Gemeinden entmutigend und sogar gefährlich sein.

Die Adventisten, mit denen meine Mutter befreundet war, sprachen voller Begeisterung über ihren Glauben; und die Liebe, die sie zur Bibel hatten, kam meinem Wunsch, dieses Buch zu studieren, sehr entgegen. Dies führte dazu, dass ich mich ohne reifliche Überlegung der Denomination der Siebenten-Tags-Adventisten anschloss. Der Pa- stor, der mich taufte, veranlasste, dass der Verband der Adventisten- gemeinden Südkaliforniens mich für ein Jahr an ihre Bibelschule an der Andrews Universität schickte.

Während meiner Vorbereitun- gen für dieses einjährige Stu- dium lernte ich Ruth kennen. Seit etwa einem Jahr hatte ich gehofft und gebetet, eine Frau zu finden, und als Ruth das er- ste Mal unsere Kirche besuch- te, wusste ich, dass sie meine Lebensgefährtin werden würde. Unsere Hochzeit fand kurz vor Beginn der Bibelschule statt. Ruth war zum adventistischen

Glauben übergetreten, und wie alle anderen ging sie davon aus, dass ich ein wirklicher Christ sei, da ich ja beabsichtigte, auf eine Bibel- schule zu gehen.

Vom Geist geboren

Als Ruth auffiel, dass ich nie von meiner ‚Wiedergeburt‘ sprach, fragte sie mich eines Tages: „Bart, wann wurdest du Christ?“ Worauf ich die unglaubliche Antwort gab: „Ich wurde als Christ geboren.“ In den fol- genden Gesprächen versuchte sie mir aufzuzeigen, dass der Mensch, da er in Sünde geboren wird, eines Tages geistlich neu geboren wer- den und auf Jesus Christus vertrauen muss, der allein ihn von den Folgen der Sünde erretten kann. Als ich einwendete, dass ich immer schon an Gott geglaubt hätte, zitierte Ruth die Stelle aus Jakobus 2,19: „Du glaubst, dass ein einziger Gott ist? Du tust wohl daran! Auch die Dämonen glauben – und zittern!“

Durch diese Gespräche und durch das Lesen der neutestamentlichen Briefe an die Römer, Galater und Hebräer wurde mir schliesslich klar, dass ich auf meine eigene Gerechtigkeit und meine religiösen Anstren- gungen vertraut hatte und nicht auf das vollbrachte und völlig genü- gende Opfer Jesu Christi. Die römisch-katholische Religion hatte mich nie gelehrt, dass unsere eigene Gerechtigkeit fleischlich ist und von Gott nicht angenommen werden kann; auch nicht, dass wir unser Ver- trauen allein in Seine Gerechtigkeit setzen müssen. Gott hat schon für alles gesorgt, was zur Errettung des Gläubigen nötig ist. Schliesslich überführte mich der Heilige Geist eines Tages während der Andacht davon, dass auch ich es nötig hatte, Busse zu tun und die Gnade Gottes anzunehmen.

Während all der Jahre im Kloster hatte ich darauf vertraut, dass die Sakramente der Kirche Roms mir Gnade vermittelten, mich retteten. Aber jetzt wurde ich durch Gottes Gnade zu geistlichem Leben er- weckt: ich wurde errettet. Als ich Gottes Gerechtigkeit nicht kannte, versuchte ich, wie die Juden zur Zeit des Apostels Paulus, meine eige- ne Gerechtigkeit aufzurichten und widerstand damit der Gerechtigkeit Gottes (Römer 10,2-3).

Einige verdrehen das Evangelium von Christus

Ich wurde als Prediger der Siebenten-Tags-Adventisten ordiniert, aber nicht lange danach hörte ich während einer Konferenz einen Redner sagen, die Schriften von Ellen G. White (sie ist eine Mitbegründerin des Adventismus) seien ebenso von Gott inspiriert wie die Evangeli- en. Das beunruhigte mich so sehr, dass ich nicht Adventistenprediger bleiben konnte. Später wurden Ruth und ich eine zeitlang von der charis- matischen Bewegung beeinflusst, aber wir distanzierten uns, weil sie in der Ökumene mitarbeiteten. Jetzt sind wir Glieder einer fundamenta- listischen Baptistengemeinde.

Mission unter Katholiken

Nach viel Gebet kam ich zur Gewissheit, dass ich nach San Diego zurückkehren sollte, wo ich einst als Priester einer Pfarrei gearbeitet hatte. Ich wusste, dass viele Katholiken durch das Zweite Vatikani- sche Konzil verunsichert und enttäuscht worden waren und sah es als Gottes Führung an, einen Dienst zu beginnen, der ihnen beim Weg- gang von der römisch-katholischen Kirche helfen konnte. So wurde die ‚Internationale Mission unter Katholiken‘ gegründet, welche un- terdessen Millionen von Traktaten, Büchern und Audiokassetten ver- breitet hat, die die Widersprüche zwischen der römischen Kirche und der Bibel aufzeigen und den Weg der biblischen Errettung erklären.

Alle, die zu diesem Werk beitragen möchten und es wünschen, erhal- ten einen monatlichen Informationsbrief. Der Herr hat uns ermöglicht, einige Radio- und Fernsehstunden zu gestalten und es freut uns, dass meine Autobiographie ‚Pilgerreise aus Rom‘ gedruckt werden konnte und sowohl in der englischen wie in der spanischen Ausgabe reges Inter- esse gefunden hat. In vielen Ländern konnten wir Veranstaltungen durch- führen und Literatur hineinbringen, und während fünf Tagen pro Woche werden in unserem Heimatbüro in San Diego Bestellungen erledigt und verschickt.

Viele Veranstaltungen halten uns in Bewegung: Wir reisen durch die ganze USA und in andere Länder.
Eine Schule für die Evangelisierung von Katholiken bietet einwöchige oder längere intensive Trainingskurse für Pastoren und leitende Mitarbeiter an, die sich im Dienst spezialisieren möchten, um die römisch-katholische Gemeinschaft wirkungsvoll zu erreichen. Wir laden auch Missionare und Ex-Katholiken ein, an den Kursen teilzunehmen, vor allem Ex-Priester und Ex-Nonnen, um sie für den Dienst in bibeltreuen Gemeinden zuzurüsten.

In unserem Missionswerk sind wir der Überzeugung, dass es lieblos ist, wenn man denen, die in der Dunkelheit leben, die Wahrheit vor- enthält. Es ist sehr wichtig, die Katholiken herauszufordern, über ih- ren Glauben nachzudenken und die Bibel zu studieren, und so ihre Religion mit der Wahrheit der Bibel zu vergleichen.

Nur so können sie die Freiheit und das Licht von Gottes Wahrheit erleben. „Und ihr werdet die Wahrheit erkennen, und die Wahrheit wird euch frei machen!“ (Johannes 8,32)

Bartholomew Brewer kam in den Vereinigten Staaten von Amerika zur Welt; auch seine zweite Geburt, die biblische Wiedergeburt erleb- te er dort. 1973 gründete er zusammen mit seiner Frau das Missions- werk ‚Mission to Catholics International‘ (P.O. Box 19280, San Diego, CA 92159-0280, USA). Er verkündigte das Evangelium auch in Eu- ropa und auf den Philippinen. Am 20. September 2005 rief ihn der Herr zu sich. Das Missionswerk wird unter anderem von Anthony Pezzotta, einem andern ehemaligen römisch-katholischen Priester (siehe Bericht in Band 2) weitergeführt.